Wissen · Wertstromanalyse
Wertstromanalyse erstellen
Eine Wertstromanalyse zeigt auf einem Blatt, wie ein Produkt durch Ihre Fertigung fliesst — und wie viel der Durchlaufzeit tatsächlich Wert schafft. Meist ist es ein kleiner Bruchteil. Diese Seite erklärt das Vorgehen ohne Vorwissen.
Was ist eine Wertstromanalyse?
Die Methode stammt aus dem Lean Management und wurde durch Mike Rother und John Shook bekannt („Learning to See“). Gezeichnet wird der Weg einer Produktfamilie vom Rohmaterial bis zum Kunden: jeder Prozess als Kasten, jeder Bestand dazwischen als Dreieck, oben der Informationsfluss von der Bestellung bis zum Auftrag. In Taktane ist der Informationsfluss blau: elektronisch als Zickzack, manuell als gerader Pfeil, jeder mit Inhalt und Rhythmus beschriftet („Prognose · monatlich“).
Unter der Zeichnung steht die Zeitleiter: oben die Liegezeiten in den Beständen, unten die Bearbeitungszeiten. Ihr Verhältnis — der Wertschöpfungsanteil — liegt in vielen Betrieben unter 5 %. Genau das macht die Analyse sichtbar.
Wann lohnt sie sich?
- Lieferzeiten sind deutlich länger als die reine Bearbeitungszeit.
- Zwischen den Prozessen liegen grosse Bestände, und niemand weiss genau, warum.
- Vor einer Investition in eine neue Maschine: Ist sie wirklich der Engpass?
- Wenn mehrere Abteilungen an einem Produkt arbeiten und sich gegenseitig die Schuld für Verspätungen geben.
In sechs Schritten
- 1
Produktfamilie wählen
Produkte, die weitgehend dieselben Prozesse durchlaufen. Eine Analyse für alles auf einmal wird unlesbar.
- 2
Kundenbedarf und Taktzeit bestimmen
Wie viel braucht der Kunde pro Tag? Taktzeit = verfügbare Zeit ÷ Kundenbedarf. Sie ist der Massstab für jeden Prozess.
- 3
Prozesse vor Ort aufnehmen
Am Arbeitsplatz messen, nicht am Schreibtisch schätzen: Zykluszeit, Rüstzeit, OEE, Anzahl Bediener, Schichten. Der Erhebungsbogen hilft dabei.
- 4
Bestände zählen
Was zwischen den Prozessen liegt, in Stück. Aus Bestand und Tagesbedarf ergibt sich die Liegezeit.
- 5
Durchlaufzeit und Wertschöpfungsanteil berechnen
Die Summe der Liegezeiten und Bearbeitungszeiten ist die Durchlaufzeit. Der Anteil der Bearbeitungszeit daran ist der Wertschöpfungsanteil.
- 6
Soll-Zustand entwerfen
Entlang der acht Fragen nach Rother und Shook: Wo fliesst es, wo braucht es einen Supermarkt, welcher Prozess gibt den Takt vor? Daraus entsteht ein Massnahmenplan.
Die wichtigsten Kennzahlen
- Taktzeit: wie oft der Kunde ein Teil braucht — der Massstab.
- Zykluszeit: wie lange ein Prozess für ein Teil braucht. Liegt sie über der Taktzeit, ist der Prozess ein Engpass.
- Durchlaufzeit: wie lange ein Teil vom Eingang bis zum Versand braucht, zum grössten Teil Liegezeit.
- Wertschöpfungsanteil: Bearbeitungszeit ÷ Durchlaufzeit.
- OEE: wie viel der geplanten Zeit eine Anlage tatsächlich gute Teile herstellt.
Häufige Fehler
- Durchschnittswerte aus dem System statt gemessener Zeiten vor Ort.
- Bestände geschätzt statt gezählt — sie bestimmen den grössten Teil der Durchlaufzeit.
- Taktzeit und Zykluszeit verwechselt.
- Ein Soll-Zustand ohne Massnahmen, Verantwortliche und Termine bleibt ein schönes Bild.
Wie Taktane dabei hilft
- Jede Kennzahl zeigt ihren Rechenweg mit den eingesetzten Werten.
- Eine Methodikprüfung meldet, wenn der Wertstrom zwar gut aussieht, aber methodisch nicht stimmt.
- Soll-Zustände sind eigene Szenarien und lassen sich Zahl für Zahl mit dem Ist vergleichen.
- Präsentationsmodus für den Workshop und eine druckbare Zusammenfassung danach.
Für die Aufnahme vor Ort gibt es einen druckbaren Erhebungsbogen mit Messanleitung. Erhebungsbogen ansehen →
Einen fertigen Wertstrom ansehen
Die Demo enthält fünf Prozesse, Bestände und gerechnete Kennzahlen — ohne Konto.
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